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Pressemitteilungen

Nr. 331 vom 30.04.2010

TERMINANKÜNDIGUNG
Barrierefreies Mollwehr bei Unterföhring verbessert Lebensraum Isar

„Wasserqualität – Chancen und Herausforderungen vermitteln“, lautet das Motto des diesjährigen Weltwassertages der Vereinten Nationen am 22.03.2010. Dazu passt, dass die Wasserqualität der Isar hervorragend ist; sie als eine der wenigen großen Flüsse Mitteleuropas besitzt Badegewässerqualität. Ihre Gewässerstruktur und Durchgängigkeit soll im Zuge der EG-Wasserrahmenrichtlinie zudem weiter verbessert werden. Derzeit wird dazu das Mollwehr in der Isar bei Unterföhring vom senkrechten Absturz in eine ökologisch durchgängige raue Sohlrampe umgebaut. Regierungspräsident Christoph Hillenbrand lädt ein zu einer

Baustellenbesichtigung,
Umbau des Mollwehres in eine raue Sohlrampe,
am Dienstag, 04. Mai 2010, 11:00 Uhr
an die Isar bei Unterföhring.
Vertreter von Presse, Rundfunk und Fernsehen sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen.


Mit dem symbolischen Einsetzen eines großen Wasserbausteins will Hillenbrand auf die Thematik des ökologischen Gewässerausbaus hinweisen, der ein wichtiges Mittel zur Verbesserung der Lebensraumqualität von Mensch und Natur ist. Bei der Veranstaltung dabei ist eine örtliche Schulklasse, die sich derzeit die Bedeutung von Wasser mit dem Lernordner „Wasserschule Oberbayern“ erarbeitet.

Bei der Bestandsanalyse für die EG-Wasserrahmenrichtlinie wurde der ökologischen Zustand des Abschnittes vom Oberföhringer Wehr über Freising bis nach Moosburg als „mäßig“ eingestuft. Das Richtlinienziel, der gute ökologische Zustand, wurde also verfehlt. Maßgeblich dafür war der hydromorphologische Zustand der Isar: Sie wurde hier früher zur Vermeidung weiterer Sohleintiefungen weitgehend mit Wasserbausteinen gesichert und erscheint wie ein Kanal mit Querbauwerken. Entsprechend begrenzt sind die Lebensraumqualitäten für Fische und sonstige Wasserlebewesen. Der Umbau des Mollwehres in eine raue Sohlrampe ist ein großer Schritt zur Verbesserung dieser Situation. Die Fische sollen wieder wie früher z.B. zu ihren Laichplätzen wandern können. Die Rampe selbst bietet mit ihren Becken und Stromschnellen wichtige Lebensräume für strömungsliebende Spezialisten unter den Wasserlebewesen, was die Biodiversität erhöht.

Rund 800.000 Euro kostet der Umbau des Mollwehres und weitere Maßnahmen sollen folgen. Die Durchgängigkeit längs der Isar und die seitliche Vernetzung mit der Flussaue sollen weiter verbessert werden. Möglich wird dies durch die Anbindung von Auegewässern und die Umwandlung von bisher hartem Uferverbau in sogenannte weiche Ufer. Vorbild dafür sind Flussstrecken wie im Mühltal südlich von München oder an anderen Flüssen. Mit Sicherheit wird sich dadurch auch die Naherholungsqualität der Isar für die Einwohner der umliegenden Gemeinden verbessern. Wassersport wird nicht mehr so gefährlich sein wie am alten Mollwehr, an dem am 13.04.2009 zwei junge Menschen in der Wasserwalze ertranken. Kiesbänke werden wieder entstehen und die Isar als Alpenfluss wird ein Stück weit intensiver erlebbar werden.

Die Isar ist ein Kind der Alpen. Noch vor wenigen Generationen führte sie ihr klares Bergwasser ungestüm in einem weiten Schotterbett der Donau zu. Sie war Lebensader für die bayerischen Herzogstädte München und Landshut und verbindet noch heute Ober- und Niederbayern. “Isaria“, die Reißende, soll sie bereits von den Kelten genannt worden sein und neben wirtschaftlichem Nutzen brachte sie bei Hochwasser auch viel Leid über die Bevölkerung. Mit dem technischen Fortschritt im 19. Jahrhundert griff der Mensch maßgeblich in das Flussregime ein. Wasserbauten sicherten die Ufer und verbesserten die Verhältnisse für die Landwirtschaft. Die Wasserkraft wurde für die Stromgewinnung genutzt. Der Sylvensteinstausee und weitere Schutzbauten bändigten die Hochwassergefahr. Durch Bevölkerungswachstum und Industrie verursachte Abwässer gelangten in die Isar. Der einstmals wilde Alpenfluss verwandelte sich vielerorts in einen schmutzigen, wasserarmen Kanal. In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte eine Umkehr dieser Entwicklung ein, die durchaus als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden darf. Durch den Bau von Kläranlagen und Kanalisationen verbesserte sich die Gewässergüte erheblich. Die Wasserqualität ist mittlerweile so gut geworden, dass im Sommer wieder in der Isar gebadet werden kann. Gemeinsam mit den Energiekonzernen wurde erreicht, dass in den Ausleitungsstrecken aus Rinnsalen wieder Flüsse entstanden, mit ausreichend Lebensraumqualität für die Flussbewohner. Wasserbauten wurden entfernt, um wieder mehr Uferdynamik in der Isar zuzulassen. Die Renaturierung der Isar in München ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie unter Berücksichtigung der heutigen Hochwasserschutzstandards wieder Elemente einer Wildflusslandschaft im Herzen einer Millionenstadt erlebbar gemacht wurden. Die zustimmende Resonanz in der Bevölkerung ist unübersehbar. Trotz dichter Besiedlung hat die Isar unterhalb von München wieder eine gute Wasserqualität, die Voraussetzung für eine gute Lebensraumqualität ist.

Programm
11:00 Uhr Begrüßung - Dr. Klaus Arzet,
Leiter des Wasserwirtschaftsamtes München
  Ansprache - Christoph Hillenbrand,
Regierungspräsident von Oberbayern
  Grußwort - Franz Schwarz,
Erster Bürgermeister der Gemeinde Unterföhring
  Symbolische Steinsetzung mit Bagger
  Demonstration „Lernordner Gewässer“ -
Schulklasse der Hauptschule Unterföhring
  Gemeinsame Ortseinsicht mit Erläuterungen
durch die Wasserwirtschaftsverwaltung
  Gemeinsamer Ausklang mit Bewirtung

Bei schlechter Witterung, ausweichen auf aufgestelltes Festzelt möglich.





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Heinrich Schuster

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80538 München
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